Obwohl mein Großhirn mir massig Gründe für den Aufbruch zu meiner geplanten Motorradfahrt nach Rumänien liefert, schreit mein Bauchgefühl heftig: “Nein!” Der gestrige Schneegraupel in meinem Garten lässt auch die optimistischsten Stimmen in mir verstummen. Schon Reinhold Messner schrieb einst, dass es wichtig sei im richtigen Moment den Rückzug anzutreten oder wie Herr Nobelpreisträger Kahnemann einst fragte: “Würdest Du die Fahrt antreten, wenn Du wüsstest, dass am Ende all Deine Reisefotos verbrannt werden und Du eine Pille schlucken müsstest, die Dir alle Erinnerungen an diese Woche raubt?” Ich breche erst gar nicht auf.
Was mich während den Reisevorbereitungen faszinierte, war die Angst, mit der mich der Großteil der Menschheit infizieren wollte: “Monsterschlaglöcher!”, “Stehlende Zigeunerbanden!”, “Verantwortungslose rumänische Autofahrer!”, “Als Polizisten verkleidete Mafiaschergen!” Kurz: Hitchcock auf LSD.
Titelblatt “Weltwoche 14/2012: Zitat aus dem Artikel: «Wenn Sie in Genf zwei junge Zigeuner antreffen, die alleine unterwegs sind, haben sie zu 99 Prozent einen Schraubenzieher in der Hosentasche», sagte Jean-François Cintas, Chef der Abteilung Einbruch bei der Genfer Kantonspolizei, der Zeitung Le Temps.
“Wenn Sie in Genf zwei Motorradfahrer antreffen, die alleine unterwegs sind, hab sie zu 99 Prozent einen Schraubenzieher unter dem Sitz”, sagt Dieter Wellmann, Analyst von Angst und Schrecken.
Der “Zigeuner” – sorry: politisch korrekt Roma bzw. Sinti – als raubender Zeitgenosse, der wie eine Zecke darauf lauert seine Opfer auszusaugen? Diese verwirrten Vorurteile kenne ich doch: Der Motorradfahrer als rücksichtsloser, vom richtigen Weg abgekommener Rabauke. Da kann ich nur sagen: “Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Stecke.”
Hey, liebe Romas und Motorradfahrer, wo seid ihr? Ich mach ein Grillfest gegen die Angst! Ihr seid herzlich eingeladen! Sollen sie doch alle bleiben in Ihren schmucken alarmgesicherten Einfamilienhäusern, in ihren gelebten 30er-Zonen, versichert gegen Erdbeben und Abenteuer.
Nun zur Nachspeise: In den nächsten Jahren werden Depressionen und Angstzustände Volkskrankheit Nr.1 sein (laut WHO für Frauen bereits ab 2014), noch vor Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. Vielleicht sponsert uns bald die Krankenkasse eine Motorradreise in die Unsicherheit.
Diesmal bleibt ich im Hafen, doch die weite See ruft bereits: Rumänien ich werde kommen!
risk’n'ride,
ein Motorradzigeuner














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